Früher war mein Briefkasten der reinste Altpapierschlucker: Fast-Food-Flyer, Visitenkarten von windigen Autoglas- und Umzugsfirmen, cellophanverpackte Discounter-Werbeblättchen und vor allem beinahe täglich eine neue Gratis-Wochenzeitung verstopfte den schmalen Schlitz, der neben Liebespostkarten exklusiv für die druckfrische Tageszeitung reserviert ist.
Für die war häufig kaum noch Platz – vor allem nach einem Wochenende On-the-road quoll beim Öffnen ein wahrer Regen Buntbedrucktes aus dem Kasten.
Quasi keinen Unterschied machte dabei, ob das serienmäßig vorhandene Briefkasten-Schildchen auf “Werbung, ja bitte” (grün) oder “Nein danke” (rot) gedreht war.
Sind Flyer und Wochenzeitungen (90% Anzeigen, 10% Getextetes von zweifelhafter journalistischer Qualität) denn keine Werbung?
Mein Briefkasten soll sich endlich wieder auf die wirklich froh erwartete Post freuen können, und auch mal wieder Gelegenheit zum Gähnen haben!
Also bastelte ich ein Schildchen mit dem Text:
Bitte keine Werbung, kostenlosen Zeitungen und Handzettel einwerfen
Half aber nichts, Pizzaflyer und Wochenzeitungen flatterten weiter munter in den Kasten…
Anscheinend genügen die wenigen Zeilen redaktioneller Inhalt in Wochenzeitungen, um sie mitsamt der sie einbettenden Reklame zu einem journalistischen Produkt zu adeln – und somit der Kategorie “Werbung” zu entheben. Zuerst war ich verwundert, aber wenn ich an die Qualität der “journalistischen” Inhalte des privaten Werbefernsehens denke… Hier wie dort funktioniert das Geschäftmodell gleich: Präsentiere deinen Kunden (den werbenden Firmen) ein attraktives, publikumziehendes (Zielgruppe: Konsumenten) Füllprogramm für deine dann lukrativ vermarktbaren Werbeblöcke.
Das muss ein Ende haben!
Zumindest aus meinem Briefkasten möchte ich diesen ganzen Konsummüll nicht ständig in die Altpapiertonne umschichten müssen.
Das neue Briefkasten-Schild sieht nun so aus (kann soll nach Belieben heruntergeladen und selbst verwendet werden, CC0 Public Domain):
Der Text wurde um ein wenig “Kleingedrucktes” erweitert:
Stopp – Bitte keine Werbung, Postwurfsendungen, Handzettel und kostenlosen Zeitungen einwerfen
Schon nach wenigen Wochen stellte sich ein sichtbarer Erfolg ein. Seit einem halben Jahr hat der Werbemüll spürbar abgenommen. Und wo ich früher noch beinahe wöchentlich in Gedanken böse Briefe an die Herausgeber formulierte, habe ich aus den wenigen unerwünschten wie ignoranten Briefkastenbefüllern der letzten Wochen eine kleine “Best Of”-Kollage zusammengestellt.
ps. Pizza-Fix & Co. kommen ja immer nur im Dunkeln, wenn mensch den Karton vor Augen nicht sieht. Sie werden wohl den liebevoll gestalteten Warnhinweis an meinem Briefkasten konsequent weiter ignorieren und ihre immer gleichen Flyer einwerfen bis zum Morgengrauen. Ich habe noch nie und beabsichtige auch in Zukunft nicht mir euren Genhefeteig mit Analogkäsebelag näher als bis an die Altpapiertonne liefern zu lassen…
pps. Rezept: Pizzateig selbstgemacht
400 g Mehl, 40 g Hefe, 200 ml lauwarmes Wasser, 2-3 El Öl, 1 Tl. Salz, 1 Pr. Zucker.
Hefe in lauwarmes Wasser bröseln, mit Salz mischen und in Mehlkuhle füllen. 10 min. zugedeckt stehen lassen. Mit restlichen Zutaten vermischen und eine Stunde gehen lassen. Ausrollen, nach Belieben belegen und 25-30 min. bei 180 °C in der Röhre heiß & knusprig backen.




